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Für die Gäste aus Trier gab es 5000 Nelken
50 Jahre Städtepartnerschaft mit Ascoli Piceno

Bild: Piazza del Popolo in Ascoli Piceno.
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Foto: PA/Archiv
Die Städtepartnerschaft mit Ascoli Piceno feiert in diesen Tagen ihr 50jähriges Bestehen. Der Auftakt im Januar 1958 in der pittoresken italienischen Stadt am Tronto verlief in ungeahnter Herzlichkeit geradezu euphorisch: Eine Polizeieskorte begleitete ab der Stadtgrenze die Wagenkolonne mit den Gästen aus Deutschlands ältester Stadt, an ihrer Spitze Triers damaliger Oberbürgermeister Dr. Heinrich Raskin und Beigeordneter Dr. Emil Zenz. Die Stadt war mit Fahnen festlich geschmückt und die Zeitungen berichteten von einer „jubelnden Menge an den Straßen“. Es gab Festgottesdienste, schulfrei für die Kinder und eine Feier im herrlichen Theater, das mit 5000 frischen Nelken geschmückt war. OB Raskin und sein italienischer Amtskollege, Ascolis Bürgermeister Serafino Orlini, bekräftigten dabei erstmals offiziell den Wunsch beider Städte, eine Städtepartnerschaft über die Alpen hinweg zu begründen, die schließlich am 31. August 1958 beim Gegenbesuch der italienischen Gäste in Trier feierlich besiegelt wurde.

Die Italien-Reise der damaligen Trierer Delegation in das 1300 Kilometer entfernte Ascoli Piceno begann mit einem Aufenthalt in Rom einschließlich einer viertelstündigen Privataudienz bei Papst Pius XII. Mit der Umbenennung des Matthias-Ufers in Pacelli-Ufer hatte dieses historische Treffen wenig später für Trier damit noch eine weitere Auswirkung.

OB Jensen leitet Delegation

50 Jahre nach der Besiegelung der Städtefreundschaft macht sich am kommenden Wochenende unter Leitung von Oberbürgermeister Klaus Jensen erneut eine offizielle Delegation auf den Weg nach Ascoli, um fünf Jahrzehnte der Partnerschaft zu feiern. Für den Stadtvorstand mit dabei sind Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink und Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Der Stadtrat wird durch Monika Thenot (CDU), Friedel Jaeger (SPD), Dominik Heinrich (Grüne), Professor Dr. Hermann Kleber (UBM) und Thomas Egger (FDP) vertreten. Eine weitere Bürger-Delegation mit 26 Mitgliedern der Ascoli Piceno-Trier-Gesellschaft wird von deren Präsident Hartmut H. Gürke angeführt. Der Trierer Bachchor unter Leitung seines Dirigenten Martin Bambauer übermittelt musikalische Grüße aus der Partnerstadt. Derzeit befindet sich bereits eine rund 30 Mitglieder umfassende Gruppe in Ascoli, um bei den „Trier-Tagen“ musikalische und kulinarische Spezialitäten der deutschen Partnerstadt zu präsentieren.

Für alle dürfte die Reise weniger beschwerlich verlaufen als vor 50 Jahren. Mit der „Günstig-Fluglinie“ Ryanair besteht seit einigen Jahren vom Flughafen Frankfurt-Hahn nämlich eine direkte Verbindung zur Adria-Stadt Pescara, die nur eine gute Autostunde von Ascoli entfernt liegt.

Das umfangreiche Jubiläums-Programm sieht für Freitagabend bereits den offiziellen Festakt aus Anlass des Jubiläums im historischen Rathaus „Palazzo dei Capitani“ an der herrlichen Piazza del Popolo vor. Danach ist mit der Enthüllung einer in Trier angefertigten Parkbank (siehe unten stehenden Bericht) die Übergabe des Geschenks aus Trier an die italienische Partnerstadt geplant. Für Samstag ist ein Empfang der Stadt Ascoli für alle deutschen Gäste im Teatro Ventidio Basso vorgesehen. Vor 50 Jahren fand hier die erste feierliche Zusammenkunft statt. Weitere Programmpunkte sind das Konzert des Trierer Bachchors im Dom und die Teilnahme an einem Fest-Gottesdienst, der vom Ascolaner Bischof Silvano Montevecchi und auf Trierer Seite von Weihbischof Dr. Stephan Ackermann und Pater Paul Hoffmann zelebriert wird. Bei den spektakulären Reiterfestspielen „Quintana“ mit ihren farbenprächtigen Umzügen werden auf Einladung der Stadt Ascoli Mitglieder des Stadtvorstands in historischen Roben mitgehen. Andrea Lanfer von der Trierer Ascoli Piceno-Gesellschaft wird die Rolle der „Heiligen Ursula“ übernehmen. Das grandiose ästhetische Spektakel findet jeweils am ersten August-Wochenende zu Ehren des der Legende nach in Trier geborenen Heiligen Emygdius (Sant’ Emidio) statt. Bei den historischen Ritterspielen wetteifern sechs historische Stadtteile mit ihren ins Rennen geschickten Reitern um die Siegesfahne des „Palio“.

Bild: Januar 1958 in Ascoli.
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Foto: PA/Archiv
Für das Zustandekommen der Städtepartnerschaft zwischen Trier und Ascoli gibt es verschiedene Gründe. Ob Legende oder nicht: Sant’ Emidio kommt dabei die Hauptrolle zu. Der römische Patriziersohn wurde um 273 n.Chr. in der damaligen Augusta Treverorum geboren. Emydius bekannte sich unstandesgemäß zum Christentum, wurde in Mailand zum Priester geweiht und erregte dort und in Rom mit Krankenheilungen und Bekehrungen großes Aufsehen. Um 300 wirkte er zum Ärgernis der Herrschenden segensreich als erster Bischof in Ascoli, wo er drei Jahre später unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod fand. Noch heute wird Sant’ Emidio als Stadtpatron und Beschützer vor Erdbeben in Ascoli und ganz Italien hoch verehrt.

Erste Bemühungen einer Kontaktaufnahme zwischen Trier und Ascoli lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurück verfolgen. 1938 scheiterte aufgrund der politischen Ereignisse ein neuer Versuch. 1945 griff Bischof Matthias Wehr den Gedanken eines religiösen, aber auch Völker verbindenden Miteinanders wieder auf. Nach vielen vorbereitenden Schritten kam es 13 Jahre später, im Jahr 1958, schließlich zur offiziellen Besiegelung der Städtefreundschaft.

Vom Auf und Ab

In den zurück liegenden 50 Jahren hat die Partnerschaft zwischen den beiden Augustus-Städten viele Höhepunkte, aber auch weniger ergiebige Jahre des Miteinanders erlebt. Zu den beständigen Aktivitäten zählt der seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierte Schüleraustausch. Vor allem nach Triers 2000-Jahr-Feier 1984 mehrten sich die Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen. Immer häufiger präsentierte sich die 60 000 Einwohner zählende Provinz-Hauptstadt der Region Marken mit zum Teil spektakulären Auftritten – so auch bei der Landesgartenschau – in der Moselmetropole.

Heute überzeugen sich immer mehr Triererinnen und Trierer mit einem Besuch in der Partnerstadt davon, dass Ascoli zu den schönsten unter den vielen schönen Städten Italiens zählt. Das zunehmende Miteinander wird von der günstigen Ryanair-Flugverbindung zwischen Hahn und Pescara, vor allem aber auch durch die Gründung der Ascoli Piceno-Trier-Gesellschaft, die über 150 Mitglieder zählt, gefördert. Im fünfzigsten Jahr ihres Bestehens gehört die kommunale Verbindung zwischen Ascoli Piceno und Trier zu den aktivsten Städtepartnerschaften der Moselmetropole. Der im Januar 1958 von Oberbürgermeister Raskin geäußerte Wunsch, wonach diese Städtepartnerschaft die „gegenseitige Wertschätzung befestigen und die gemeinsamen Bande zu einer Freundschaft zwischen zwei schönen alten Städten enger knüpfen“ soll, ist in vielfältiger Weise umgesetzt worden. La.







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